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Arzneitelegramm kritisiert generelle Pneumokokkenimpfung

 Auszug aus dem aktuellen Arznei-Telegramm zur Pneumokokkenimpfung:
Zusammenfassung

Wie auch andere europäische Behörden empfiehlt die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut(STIKO) jetzt die generelle Impfung aller Säuglinge mit dem Pneumokokken-Konjugatimpfstoff PREVENAR.
Der Impfstoff wirkt in einem randomisierten kontrollierten
Vergleich in den USA zuverlässig gegen invasive Erkrankungen mit den in der Vakzine enthaltenen sieben Serotypen.
Die Serotypenabdeckung in der Studienpopulation ist hoch. Entsprechende Nutzenbelege aus Europa,wo die im Impfstoff enthaltenen Serotypen weniger häufig vorkommen, fehlen.

Epidemiologische Daten aus den USA weisen bisher auf eine deutliche Senkung invasiver Pneumokokkenerkrankungen infolge der dortigen Einführung der Massenimmunisierung von Kindern mit dem Impfstoff hin, die auch ältere nicht geimpfte Menschen betrifft.
Bei bislang positiver Bilanz wird in den USA jedoch auch ein Anstieg von Infektionen mit nicht im Impfstoff enthaltenen Serotypen bzw. potenziell kreuzreagierenden Serotypen beobachtet.
Die STIKO rechnet bei einer Durchimpfungsrate von 80% mit einer Senkung invasiver Pneumokokkenerkrankungen bei unter Zweijährigen um 53%.
Sollte sich dies auch auf schwere und tödliche Verläufe beziehen, würden bei Impfstoffkosten von mindestens 140 Mio. im günstigsten Fall pro Jahr sieben Todesfälle und 15 Folgeschäden in dieser Altersgruppe verhindert.

Publizierte Daten zur epidemiologischen Situation von
Pneumokokkenerkrankungen in Deutschland sind unzureichend.
Soweit beurteilbar, ist auch die bisherige Erfassung lückenhaft. Ob die von der STIKO erwartete Reduktion der Erkrankungsrate realistisch ist, lässt sich daher nicht beurteilen.


Auch eventuelle negative Folgen der neuen Impfstrategie
können in Deutschland derzeit nicht adäquat überwacht werden. Wieso die letzten Jahre nicht genutzt wurden,ein geeignetes Surveillance-System einzurichten bzw.das bestehende zu optimieren, um sowohl die Basis für eine Entscheidung pro oder contra Impfstoff verbessern als auch die auf eine Massenimpfung folgenden Entwicklungen kontrollieren zu können, ist nicht nachvollziehbar.


UNERWÜNSCHTE EFFEKTE:
Zu den häufigsten unerwünschten Wirkungen der Impfung gehören Lokalreaktionen,Fieber, Appetitlosigkeit, Erbrechen und Durchfall.
Spontanberichterfassung nach Markteinführung in
USA fallen außerdem allergische Reaktionen einschließlich
Urtikaria sowie Dyspnoe und als mögliche seltene schwerwiegende
unerwünschte Effekte anaphylaktische Reaktionen,
Thrombozytopenie, Serumkrankheit und Krampfanfälle auf.

Die Beurteilung wird dadurch erschwert, dass der Impfstoff
meist mit anderen Vakzinen zusammen verabreicht wird.

KOSTEN: Zehn Fertigspritzen mit dem Pneumokokken-
Konjugatimpfstoff PREVENAR kosten 629,97 € , eine vollständige
Immunisierung mit vier Dosierungen 252 € . Die bisherigen Impfkosten pro Kind von rund 250 € steigen durch PREVENAR auf das Doppelte, wenn man eine vollständige Immunisierung mit Fünffach- (gegen DTPHiBPolio)plus Dreifach- (gegen MMR) Impfstoff und Packungen mit jeweils 10 Spritzen zugrunde legt. Bei erweiterter Immunisierung mit Sechs- und Vierfachimpfstoffen, die zusätzlich Hepatitis-B- und Varizellen-Komponenten enthalten,steigen die Impfkosten von bisher 422 € um 60% auf 674 € .

Bei Durchimpfung eines Jahrgangs mit 700.000 Kindern betragen
die Impfstoffkosten für PREVENAR 176 Mio.


Auf der Basis der lückenhaften publizierten epidemiologischen
Daten, der ungeklärten langfristigen Folgen
und der immensen Kosten halten wir die Empfehlung einer
generellen Impfung aller Säuglinge mit PREVENAR
derzeit für unzureichend abgesichert.

a r z n e i - t e l e g r a m m 2006; Jg. 37, Nr. 10

 
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