Einführung Pneumokokken sind grampositive Bakterien, die von einer Polysaccharidkapsel umgeben sind. Die Kapsel ist verantwortlich für die Pathogenität der Erreger, sie schützt die Bakterien vor Phagozytose. Anhand der Kapselpolysaccharide werden 90 Pneumokokken-Serotypen unterschieden.
Pneumokokken gehören bei jedem zweiten zur normalen Bakterienflora des Mund-Rachenraumes. Zur Erkrankung kommt es nur bei einer Schwächung des Immunsystems. Pneumokokken-Infektionen weisen eine typische jahreszeitliche Verteilung auf: Die meisten invasiven Pneumokokken-Infektionen treten während der „kalten Monate" zwischen Oktober und März auf (Kries Rv, Seidler A, Schmitt HJ, Reinert RR: Proportion of Invasive Pneumococcal Infections in German Children Preventable By Pneumococcal Conjugate Vaccines.Clin Infect Dis 2000 Aug, 31 (2): 482-487) Deutschland In Deutschland erkranken jedes Jahr ca. 1300 Kinder (Schätzung) an einer invasiven Pneumokokken-Erkrankung – 1998 starben 18 von ihnen (8%), meist an der Pneumokokken-Meningitis, wobei bei der Mehrzahl von ihnen Risikofaktoren wie Immundefekte oder immunsuppressive Therapie vorlagen (ESPED 1998), 1999 kam es zu 9 Todesfällen (4%) (ESPED 1999) (arznei-telegramm 2001). Im Jahr 2002 wurden in Deutschland bei Kindern 114 Fälle von Meningitis und 130 Fälle anderer schwerer Erkrankungen durch Pneumokokken gemeldet (ESPED (Erhebungseinheit für seltene pädiatrische Erkrankungen in Deutschland): Invasive Infektionen durch Streptococcus Pneumoniae (Pneumokokken). http://www.esped.uni-duesseldorf.de/jabe2002_r.htm#pneumos). Sechs der betroffenen Kinder starben, bei 20 blieben durch die Meningitis neurologische Schäden zurück. Bei 3 der 6 gestorbenen Kinder ist ein Immundefekt durch eine fehlende Milz bekannt. Man schätzt, dass es etwa 12.000 Todesfälle durch Pneumokokken in Deutschland gibt, wobei vor allem ältere Menschen betroffen sind: 90 Prozent der Opfer sind älter als 60 Jahre. Drei von vier Ärzten raten daher vor allem ihren älteren Patienten zur Impfung. Pneumokokken-Erkrankungen in Deutschland (von Kries R:Epidemiologie von Pneumokokken-Infektionen bei Kindern. In: Schmitt HJ (Hrsg.): Alte und neue Impfstoffe in Deutschland: Grundlagen für künftige Entscheidungen. Infomed-Verlag, Berlin 2000) | Klinik | Krankheitsfälle pro Jahr | Invasive Peumokokkeninfektion | ca. 990-1320 (< 16 Jahre) | | Gehirnhautentzündung(Meningitis) | ca. 220-300 (< 16 Jahre) | Mittelohrentzündung (Otitis media) | ca. 600.000 60.000 (> 1 < 2 Jahre) 30.000 (< 1 Jahr) | | Lungenentzüdung(Pneumonie) | ca. 50.000 (< 5 Jahre) | | Nebenhöhlenentzüdung(Sinusitis) | ca. 2000 (< 5 Jahre) |
Schweiz In der Schweiz wurden in den letzten Jahren folgende Fälle von Pneumokokkenerkrankungen gemeldet:(http://www.bag.admin.ch/infreporting/mv/d/index.htm) Jahr Anzahl 1999 256 2000 733 2001 824 2002 887 2003 926 2004 1004 2005 1019 2006 757 Im Jahre 2002 waren 61% der Betroffenen über 60 Jahre, 9% waren zwischen 1-9 Jahre alt und in zwei Fällen waren Säuglinge betroffen. Bei den im Jahre 2001 gemeldeten Fällen wurden 407 (fast 50%) mit der Angabe von Risikofaktoren gemeldet. (http://www.bag.admin.ch/infekt/publ/bulletin/d/pneumo%20epi%20bu31_02d.pdf ). Diese Situation hat sich auch im Jahre 2005 nicht geändert. Im Jahre 2005 waren 58% über 60 Jahre alt und nur 9% unter 9 Jahre. (http://www.bag.admin.ch/k_m_meldesystem/00733/00804/index.html?lang=de?webgrab_path=http://www.bag-anw.admin.ch/infreporting/mv/d/../../tab/tc05.htm)
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