Pneumokokken Impfung Immunität Die Pneumokokken-Vakzine sind in der Lage, invasive Pneumokokken-Erkrankungen(jedoch nur der in der Impfung vorkommende Kapseltyp) mit einer Effektivität von nur 50 bis 80 Prozent zu verhindern. Die Schutzrate ist abhängig von Alter und allgemeinem Gesundheitszustand der Patienten. Pneumokokken-Pneumonien können mit deutlich geringerer Effektivität von 30 bis 40 Prozent verhütet werden (Fedson DS: Pneumococcal Vaccine, in: Plotkin, Vaccines, Chapter 18, 1994, S. 563 ) Bei einer angenommenen 100% Impfrate und 94%-100% Wirksamkeit kann man maximal eine Reduktion der invasiven Pneumokokkenerkrankungen um 17,8%(Meningitiden 12,8%) erwarten, da die 7-valente Konjugat Impfung nur 57,7% des Erregerspektrums abdeckt.(Deutsche Akademie für Kinderheilkunde und Jugendmedizin www.dakj.de). Da ein Grossteil der Erreger-Untergruppen im Impfstoff fehlt(bei Kindern bis zum dritten Lebensjahr), ist die Wirkung der Impfung nur suboptimal. Zudem zeigte sich, dass die im Impfstoff nicht enthaltene Serotypen als ursächliche Erreger stark zunahmen (ESKOLA, J. N. English Journal of Medicine. 2001; 344: 403-9): In eine randomisierte, kontrollierte Doppelblindstudie wurden 1662 Kinder, bei denen die Eltern mit den empfohlenen Impfungen einverstanden waren, eingeschlossen. Gleichzeitig mit der Diphterie/Tetanus/Pertussis Impfung wurde den Kindern nach 2, 4 und 6 Monaten sowie zusätzlich nach 12 Monaten ein heptavalenter, kapsulärer Polysacharid-Pneumokokken-Konjugat-impfstoff (Interventionsgruppe) oder eine Hepatitis B Impfung (Kontrollgruppe) injiziert. Utersucht wurde das Auftreten von akuten Otitiden (kulturell bestätigt) und Nebenwirkungen innerhalb von 2 Jahren nach Impfung. Resultate: Innerhalb von 2 Jahren traten insgesamt 2596 Fälle von kulturell bestätigter Otitis media auf. Die Rate der insgesamt aufgetretenen akuten Otitiden in der Interventionsgruppe konnte gegenüber der Kontrollgruppe um 6% gesenkt werden. Die Rate der durch Pneumokokken verursachten Otitiden reduzierte sich um 34%, die der durch die im Impstoff enthaltenen Serotypen verursachten Mittelohrentzündungen sogar um 57%. Es kam jedoch in der Interventionsgruppe zu einer Erhöhung von 33% der Otitiden, welche durch im Impfstoff nicht berücksichtigte Serotypen ausgelöst wurden. Lokale Nebenwirkungen traten in der Interventionsgruppe häufiger auf als bei der Kontrollgruppe. Die Differenz bei den ernsthaften Nebenwirkungen war nicht signifikant. Betrachtete man die Anzahl der Hospitalisationen aufgrund systemischer Infekte von Kindern nach Pneumokokkenimpfung fanden sich in der Interventionsgruppe 4 gegenüber 13 in der Kontrollgruppe (statistisch signifikant). Konklusion der Autoren: Die untersuchte Impfung gegen Pneumokokken ist sicher und effektiv in der Behandlung der Otitiden, welche durch die in der Impfung enthaltenen Serotypen verursacht werden. Kommentar Es stellt sich die Frage, welchen Stellenwert die Konklusion der Autoren hat. Die deutliche Reduktion der durch die spezifischen Serotypen verursachten Otitiden muss durch eine Vermehrung durch andere-Serotypen verursachte Otitiden eingekauft werden. Die Reduktion sämtlicher Fälle von Otitis media um 6% ist ein Wert, der bei den vorliegenden Daten statistisch nicht signifikant ist. Hingegen besteht eine Signifikanz in der Reduktion der Hospitalisationen wegen systemischen Infektionen. Wenn man die absoluten Zahlen jedoch betrachtet, ergibt dies 9 verhütete Fälle auf 1662 Kinder. |
Die Impfung wird vor allem älteren Menschen empfohlen, hier liegt jedoch die Serokonversionsrate nur bei etwa 50-80 Prozent.(Zur Impfung gegen Pneumokokken-Infektionen, Epidemiol Bull Nr. 12/2000/Hülße C et al.: Epidemiologische und serologische Untersuchungen von Pneumokokken-Infektionen im Hinblick auf die neuen STIKO-Empfehlungen, Gesundheitswesen 1999, 61, 393-397 ) In einer finnischen Studie zur Mittelohrentzündung konnte zwar das Risiko einer durch Pneumokokken hervorgerufenen Otitis um ein Drittel gesenkt werden, die Gesamthäufigkeit der Mittelohrentzündungen blieb jedoch gleich. (Kilpi T, Palmu A, Leinonen M, Eskola J, Finom SG: Effect of a Seven-Valent Pneumococcal Conjugate Vaccine (PncOMP) against Serotype-specific Acute Otitis Media (AOM) caused by Streprococcus pneumoniae (Pnc). Abstract from 40th ICCAC, September 17-20, 2000, Toronto, Ontario, Canada.) In diesem Zusammenhang sollte auch erwähnt werden, dass akute Otitiden in den meisten Fällen von Viren verursacht werden und sich erst später gegebenenfalls eine bakterielle Superinfektion - meist mit Pneumokokken - entwickelt. Die Virusinfektion kann durch den Impfstoff jedoch nicht verhindert werden. Durch die Impfung verändert sich auch die Trägerrate von S. pneumoniae im Nasen-Rachenraum. In einer doppelblinden, randomisierten klinischen Studie wurden gesunde Kleinkinder im Alter von 12-17 Monaten (mit zwei Impfstoff-Dosen 9-valenten Pneumokokken-Konjugatimpfstoffes) und von 18-35 Monaten (mit einer Impfstoff-Dosis) in einer Kindertagesstätte in Israel untersucht. Nach 21 Monaten Nachbeobachtungszeit nahm die Kolonisierung sowohl durch im Impfstoff enthaltene Subtypen (Reduktion um 46% mit p < 0,001) als auch durch Penicillin-resistente Pneumokokken (Reduktion um 35% mit p < 0,001) bei den geimpften Kindern gegenüber der Kontrollgruppe ab. ABER: Es kam zu einer vermehrten Kolonisierung des Nasopharynx von nicht im Impfstoff enthaltenen Serotypen um fast 25%.(Dagan R.: Effect of vaccine on antibiotic-resistant Streptococcus pneumoniae carriage and spread [Abstract 072]. Second International Symposium of Pneumococci and Pneumococcal Diseases, Sun City, South Africa, 2000.) Durch die Pneumokkenimpfung (als auch die Hib-Impfung ) kommt es nicht nur zu einer Verschiebung der Serotypen der Pneumokokken im Nasen-Rachen-Raum, sondern es kommt generell zu einer Veränderung der Mundflora und pathogene(krankmachende) Keime können sich besser ansiedeln. So führt die Pneumokokken-Impfung zum Beispiel zu einem Anstieg von pathogenen Staphylokokkus aureus Erregern. (Regev-Yochay G, Dagan R, Raz M, Carmeli Y, Shainberg B, Derazne E, Rahav G, Rubinstein E.Association between carriage of Streptococcus pneumoniae and Staphylococcus aureus in Children.JAMA 2004 Aug 11;292(6):716-20./Elena S. Lysenko, Adam J. Ratner, Aaron L. Nelson, Jeffrey N. Weiser,The Role of Innate Immune Responses in the Outcome of Interspecies Competition for Colonization of Mucosal SurfacesPLoS Pathogens September 2005; Vol. 1 (1): e1 0009) Es wurden bereits mehrere Fälle von Impfversagern berichtet, bei der es trotz Impfung zum Ausbruch einer invasiven Pneumokokkenerkrankung kam. Alkohol scheint in diesem Zusammenhang eine wesentliche Rolle zu spielen(Hanna JN, Wenck DJ, Murphy DNThree fatal pneumococcal polysaccharide vaccine failures..Med J Aust 2000 Sep 18;173(6):305-7 ) Für Erwachsenen mit geschwächtem Immunsystem wird diese Impfung zunehmend empfohlen – eine Übersicht über aktuelle Studien zur Wirksamkeit dieser Impfung in dieser Gruppe kommt jedoch zu folgendem Ergebnis: „Aktuelle Leitlinien empfehlen die Pneumokokkenimpfung für Risikogruppen. Es gibt keinerlei wissenschaftlichen Nachweis, dass dies von irgendeinem Nutzen ist.“ (MOORE, R: BMC Family Practice (2000) 1:1; http://biomedcentral.com/1471-2296/1/1) Auch der Schutz gegen Lungenentzündung, der häufig propagiert wird, ist nicht nachweisbar und entbehrt jeder wissenschatlichen Grundlage: Bei einer Literaturübersicht zu Studien über die Auswirkung der Pneumokokkenimpfung kam man zum Ergebnis, dass „die neuesten, größten und mutmaßlich besten Studien überhaupt keinen Nutzen oder sogar Nachteile“ bezüglich dieser Erkrankungen zeigte (Conaty, S.Vaccine 2004)
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